Am Freitag, den 10. Dezember erreichte uns die traurige Nachricht, dass Roland Krüger im Alter von 94 Jahren verstorben ist.

Roland war mit seinen 94 Jahren das älteste Mitglied des ISC und seit 1967 Mitglied im ISC. Im Kreis war er vor allem durch seine Erfolge und auch der Leidenschaft zur Leichtathletik bekannt. Roland leitete die Gruppe "Sport für Jedermann" und gründete die Leichtathletikabteilung die er 25 Jahre lang leitete. Und wer den Namen Roland Krüger im Gedächtnis hat, der hat auch sofort seine Hannelore deneben.

Im Juli 2007 machten wir das untenstehende Interview mit Roland.

transparent: Hallo Roland. Anlässlich Deines 80stigen Geburtstages am 12. Januar und der 40-jährigen Vereinszugehörigkeit gebührt Dir in dieser Ausgabe das Interview.

Roland: Ihr wart doch erst kürzlich hier, um das Interview mit meiner Frau Hannolore zu führen. Ich freue mich, bestimmt wird es wieder so lustig.

transparent: Ich hoffe, das wird es! Einiges wissen wir nun ja schon über euch, z. B. dass es zwischen Euch in Rheda gefunkt hat und dass Ihr nun schon 4 Enkelkinder habt. Erzähl mal von Deiner Jugend, wann ging das bei Dir so richtig mit dem Sport los?

Roland: Ich bin ja in Dragebruch im Kreis Friedberg / Neumark in Pommern geboren und da fing das schon in der Grundschule an. Der Sport hat mir sehr viel Spaß gemacht, ganz besonders das Laufen. Während der 4 Jahre auf der Hauptschule in Kreuz und auch in dem Jahr auf der Fortbildungsschule habe ich bereits an Wettkämpfen auf Kreis- und Bezirksebene teilgenommen.

transparent: Und was kam nach dem Schulsport?

Roland: Nach der Schule habe ich eine Lehre als Schlosser beim Reichsbahn-ausbesserungswerk in Posen begonnen. Dieses Werk hat damals 120 Auszubildende beschäftigt und unter anderem auch Lokomotiven und Waggons gebaut. Während dieser Zeit war ich in meiner Freizeit bei größeren Wettkämpfen und habe außerdem einen 4-wöchigen Sportlehrgang gemacht. Dann kam leider eine andere Art von „Sport“. Ich musste 1944 meine Lehre abbrechen und kam für 4 Jahre ins Wehrertüchtigungs-lager zum Reichsarbeits-dienst. Im Anschluss wurde ich eingezogen, 17 Jahre war ich alt.

transparent: Wie schrecklich! Gott sei Dank war es nicht mehr allzu lange hin bis zur Kapitulation. Wo warst Du da gerade?

Roland: Diese Tage habe ich in Schneeberg im Erzgebirge erlebt. Eine Frau gab uns damals Zivilkleidung und so konnten wir uns relativ unbehelligt zu Fuß auf den Weg nach Hause machen. Für mich ging es aber nicht zurück, denn da waren die Russen. Schon vor dem Krieg hat sich meine Familie verabredet, sich nach dem Krieg in Nettelstedt zu treffen, dort hatten wir Verwandtschaft.

transparent: Aber zu Fuß, das ist wirklich heftig. Und, konntest Du sie alle wieder treffen?

Roland: Wir hatten riesiges Glück, meine Mutter ist mit den Geschwistern geflohen, der Vater und der Onkel kamen zurück, die ganze „Krügerei“ war wieder zusammen.

transparent: Was wurde dann aus Dir mit der halben Ausbildung?

Roland: Erstmal habe ich für zweieinhalb Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet. 1948 begann ich eine zweite Ausbildung als Tischer bei der Fa. Hellmich in Lübbecke. Danach war ich bis zu meiner Rente im Jahr 1990, 36 Jahre bei der Firma Planmöbel Eggersmann.

transparent: Beruflich lief es also. Hast Du auch Deine Sportlerkarriere wieder aufgenommen?

Roland: Sicher, und wie! 1947 war mein erster Waldlauf in Lübbecke. Dort wurde ich mit meinen Sonntagsschuhen Kreis-meister. Hucke hat mir damals dafür eine Turnhose und zwei Sporthemden gesponsert. 1951 zogen wir nach Lübbecke um und dann wechselte ich vom TuS Nettelstedt, da war ja mehr mit Fußball und Handball los, zum Turnen und Laufen zu Grüne Eiche Stockhausen. Da habe ich viele größere Wettkämpfe gewonnen und 1953 auch den Paderborner Osterlauf über 7.500 Meter. Da der TuS Lübbecke eine reine Leichtathletikabteilung hatte, wechselte ich 1955 dorthin und nahm weiter an großen Wettkämpfen, hin bis zu deutschen Meisterschaften teil.

transparent: Und dann hast Du Hannelore Gerbig geheiratet. Hat sich dadurch viel verändert.

Roland: Na klar, schon ein Jahr später wurde ja Birgit und zwei Jahre später Ulrike geboren. Als dann 1966 der Hausbau kam war dann an Sport erstmal gar nicht zu denken. 1967 bin ich dann in den Isenstedter Sportclub eingetreten. Hier war ich zuerst Übungsleiter der Gruppe Sport für Jedermann und gründete dann die Leichtathletikabteilung. Die Mädels und Jungs zu trainieren, hat die 25 Jahre lang, riesigen Spaß gemacht. Ich war immer Trainer und Tröster. Nach 25 Jahren habe ich die Gruppe dann an Peter Klosek übergeben, der war übrigens als Kind auch in meiner Truppe.

transparent: Die Leicht-athleten liegen Dir noch immer am Herzen. Du hast an dem Schulprojekttag Grund-schule Isenstedt und Isenstedter Sportclub zusammen mit Hannelore geholfen.

Roland: Das hat auch richtig viel Spaß gemacht. Es gab einen riesigen Andrang aber wir haben alles super hinbekommen.

transparent: Hast Du selbst eigentlich während Deiner Trainerzeit auch weiter an Wettkämpfen teilgenommen?

Roland: Sicher! Ich habe in der Seniorenklasse viele Titel geholt: Kreismeister, Ostwest-falenmeister, Westfalen-meister und Westdeutscher-meister. Die deutschen Seniorenmeisterschaften über 1.500 Meter gewann ich zweimal und holte außerdem noch zweimal Silber und einmal Bronze über 5.000 Meter.

transparent: Und in Deiner freien Zeit bist Du auch noch Fahrrad gefahren?

Roland: Schon 1952 sind wir zu dritt auf Rennrädern 15 Tage lang quer durch Deutschland gefahren. Über Solingen ins Ahrntal, eine Runde über den Nürburgring, an der Mosel entlang dann rüber nach Bingen. Da kamen so um die 1.600 Kilometer zusammen. Was haben wir damals erlebt! Mein Rad hatte ich aus lauter Einzelteilen gebaut, die waren nicht so teuer wie ein ganzes Fahrrad. Ach und dann sind wir einmal an einen Abend mit Rad nach Hannover zum Steherrennen gefahren und dann noch nachts zurück. Um 4.00 Uhr waren wir wieder zu Hause und um 7.00 Uhr standen wir wieder an der Hobelbank.

transparent: Immer in Bewegung! Aber ich denke, das bist Du auch heute noch.

Roland: Jeder Tag fängt bei mir mit Bewegung an und zwar mit der Morgen-gymnastik, der Garten und die Enkekinder halten mich zusätzlich fit und ich fahre noch immer Fahrrad und gehe auch Joggen. Das muss reichen.

transparent: Ich glaube, das reicht aus, ja. Aber Marathon läufst Du nicht mehr?

Roland: Ach stimmt, dass hatte ich ja schon in Hannelores Interview erzählt. Nein, ich habe mir nur einmal den Traum Marathon wahr gemacht. Das war mit 68 Jahren beim Berlin-Marathon. In der Altersklasse 65 – 69 Jahre wurde ich guter 5. und bin die 42,195 Kilometer in 3 Stunden und 41 Minuten gelaufen. Das war ein überwältigendes Erlebnis. Es gab viele tausend Teilnehmer und die Stimmung war toll.

transparent: Roland, ich danke Dir für dieses Interview. Ihr fahrt jetzt an die See, richtig?

Roland: Hannelore und ich fahren für 14 Tage nach Norderney. Wir sind schon immer viel an die See gefahren. Dieses Jahr kommen zwei von unseren Enkelkindern mit, darauf freuen wir uns besonders.

transparent: Dann einen erholsamen Urlaub und eine schöne Zeit.

 

 

 

   
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